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Update zu Geschehnissen rund um rassistische Bakk-Arbeit

Mit diesem Beitrag wollen wir die wichtigsten Ereignisse der letzten Wochen, ausgelöst durch Meldungen von der Approbation einer rassistischen Bakk-Arbeit an der FH Joanneum, zusammenfassen. Wir beschränken uns dabei auf Geschehnisse an der Uni Graz, speziell an unserem Institut. Über Reaktionen anderer beteiligter Institutionen und Personen (etwa die FH Joanneum oder das Max-Planck-Institut Leipzig) könnt ihr online (u.a. hier) und in den Medien lesen.

Wir haben gemeinsam mit Studierenden eine Stellungnahme verfasst, in der wir die Instrumentalisierung der (Sprach-)Wissenschaft für die Verbreitung rassistischer Ideen verurteilen. Die MitarbeiterInnen unseres Instituts haben einen ähnlichen Text geschrieben und ans Rektorat gesandt. Beide Stellungnahmen könnt ihr hier lesen. Die Stellungnahme des Instituts enthält außerdem detaillierte Informationen über Thorsten Seifters Beziehung zu unserem Institut und geht kritisch auf seine Zusammenarbeit mit Prof. Ralf Vollmann ein.

Dass diese Zusammenarbeit zwischen Prof. Vollmann und Seifter verstärkt Aufmerksamkeit bekommen hat, gab für einige Studierende den Anlass, sich mit Beschwerden über Prof. Vollmanns rassistische und auch sonst unpassende Äußerungen in seinen Lehrveranstaltungen an uns zu wenden. Wir haben ähnliche Berichte von Studierenden immer wieder in den letzten etwa zwei Jahre gehört. Einmal haben wir interveniert und Prof. Vollmann in einem persönlichen Gespräch gebeten, solche Aussagen in den LVs zu unterlassen. Wir sind aber durch die Ereignisse der letzten Wochen zu der Einsicht gekommen, dass unsere Reaktionen auf die Beschwerden von Studierenden zu zögerlich waren und wir zu oft über Prof. Vollmanns problematische und störende Aussagen hinweggesehen haben.

Prof. Vollmanns Äußerungen, die sich laut Stellungnahme des Instituts nicht auf die LVs beschränken, stellen ihn in die Nähe eines ähnlichen, politisch rechtsradikalen, Feldes wie Seifter und gehen teilweise in offene Verachtung von Menschenwürde und -rechte über. Die Studierenden und wir wollen ein solches Verhalten auf der Universität nicht länger tolerieren. Wir haben daher Beschwerden Studierender gesammelt und in einem Brief zusammengefasst, der an Prof. Vollmann und alle anderen MitarbeiterInnen unseres Instituts erging. Unsere zwei zentralen Forderungen: Eine Entschuldigung an die Studierenden und eine verbindliche Zusage, solche Aussagen in Zukunft zu unterlassen.

Prof. Vollmann ist in seiner Antwort auf unsere Beschwerde auf keinen unserer Kritikpunkte inhaltlich eingegangen und hat es verabsäumt, sich zu unseren Forderungen zu positionieren. Die Studierenden, die seine Antwort bereits gelesen haben, sind verständlicherweise enttäuscht von Prof. Vollmanns mangelnder Bereitschaft, sich ihrer Kritik zu stellen und fühlen sich nicht ernst genommen. Als StV sehen wir die Sache daher nicht als erledigt an und haben die Causa weitergetragen an die höheren Ebenen der ÖH. Wir stehen derzeit im Kontakt mit dem ÖH-Vorsitz und beraten über mögliche weitere Schritte.

Auch vonseiten der Institutsleitung wurde Initiative ergriffen. Prof. Vollmann wird in Zukunft nicht mehr Herausgeber der Grazer Linguistischen Studien sein und im Herbst als CuKo-Vorsitzender nicht wiedergewählt werden. Prof. Hurch hat Berichte über das Fehlverhalten von Prof. Vollmann (auch unsere Beschwerde) an das Rektorat geleitet. Wir möchten betonen, dass die Institutsleitung in dieser Sache voll und ganz hinter allen Institutsmitgliedern steht – also auch hinter uns Studierenden.

###Update am 17. Juni 2019###
Prof. Vollmann hat für das kommende Wintersemester ein bezahltes Freisemester beantragt. Wir wissen, dass der dafür zuständige Dekan der GeWi-Fakultät, Prof. Walter, vorhat, diesen Antrag zu bewilligen. Wir sind gegen ein solches bezahltes Freisemester aus zwei Gründen. Erstens ist klar, dass das der genau falsche Weg ist, wenn derartige Vorwürfe gegen eine Lehrperson im Raum stehen und noch nicht behandelt wurden. Diese Vorgehensweise könnte sich für die Universität als rufschädigend erweisen. Außerdem befürchten wir, dass auf diese Weise versucht wird, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren. Zweitens gehen wir davon aus, dass bei einer so kurzfristigen Beurlaubung Nachteile für das (längst geplante und beschlossene) Lehrangebot entstehen könnten. Aus diesen Gründen lehnen wir die Idee eines bezahlten(!) Freisemesters vor einer ernsthaften Diskussion unserer Beschwerden ab. Der für die Lehre zuständige Vizerektor Prof. Polaschek wurde über den ÖH-Vorsitz über unsere Bedenken in Kenntnis gesetzt.

###Update am 17. Juni 2019###
In der Kommunikation mit Vizerektor Polaschek hat sich außerdem ergeben, dass der unabhängige Prüfer aus Wien NUR die wissenschaftlichen Publikationen Prof. Vollmanns auf dienstrechtliche Relevanz hin prüft. Das Rektorat möchte aber auch Berichte von negativen Erlebnissen mit Prof. Vollmann aus erster Hand hören. Aufgrund dieser Berichte wird dann entschieden, ob ein dienstrechliches Verfahren gegen Prof. Vollmann eingeleitet werden kann. Wir rufen daher Studierende, die wollen, dass ihre Beschwerden gegen Prof. Vollmann gehört werden, dazu auf, sich mit Frau Dr. Andrea Penz vom Rektorat in Verbindung zu setzen. Sie wird in einem persönlich vereinbarten Gesprächstermin alle Berichte protokollieren, so dass das Rektorat darauf eingehen kann. Wir möchten betonen, dass das unsere beste Chance ist, Konsequenzen für Prof. Vollmann zu erwirken. Dazu ist es aber notwendig, dass sich möglichst viele Studierende mit konkreten Berichten aus eigener Erfahrung an Frau Dr. Penz wenden.

Wir halten euch natürlich auch weiterhin auf dem laufenden. Zögert nicht, uns bei Fragen, Sorgen, Vorschlägen oder Kritik zu kontaktieren, entweder auf Facebook oder an sprachwissenschaft@oehunigraz.at